Medienmagazin Zapp vs. Die Realität – Ein Magazin im Propagandakrieg
Kritische Berichterstattung über Manipulationen in den Medien gehört sicherlicherlich zu den wichtigsten, aber auch herausforderndsten Aufgaben in der demokratischen Öffentlichkeit. Mit Manipulationsvorwürfen kann man schnell bei der Hand sein, wenn die Öffentlichkeit die Behauptungen nicht überprüfen kann oder man kann jeden journalistischen Fehler, der wie bei jeder anderen Tätigkeit dazugehört, zu einer bewußten Manipulation hochstilisieren. Jeder, der sich in den Medien der Medienkritik verschreibt, muss sich darüber klar sein, dass er sich jederzeit im Glashaus wiederfinden kann.
Das sicherlich bekannteste medienkritische Medium in Deutschland ist dabei das NDR-Medienmagazin ZAPP. Das Magazin, das sich in seiner Selbstdarstellung damit rühmt, vor heißen Eisen nicht zurückzuschrecken und auch ARD-intern immer wieder mal als Nestbeschmutzer zu gelten, hat sich auf die Fahnen geschrieben, dass es die aktuelle Medienberichterstattung “beobachtet, hinterfragt, erklärt und bewertet [...]. Es handelt sich um ein moderiertes Medienmagazin, das über die komplexen Zusammenhänge innerhalb der Medienlandschaft informiert.”
Krieg und Propaganda
Eine besondere Herausforderung für ein Medienmagazin ist dabei immer die Auseinandersetzung mit aktueller Kriegsberichterstattung. Sei es die “Brutkastenlüge” im zweiten Golfkrieg, die systematische Propaganda der Bundesregierung im Kosovokrieg oder die Desinformation der US-Regierung im Zusammenhang mit dem dritten Golfkrieg. Kein Wunder also, dass die letzte Zapp-Sendung sich auch in einem Beitrag mit der Berichterstattung über den Krieg in Südossetien beschäftigt.
Zapp-Beitrag Südossetien 20080827
Und natürlich ist dabei auch interessant, wie die amerikanische Propaganda aussieht. Nach knapp fünf Minuten zeigt der Beitrag ein Interview auf Fox-News mit einem amerikanischen Mädchen, das aus Südossetien geflohen ist. Als es sagt, dass es vor den Georgiern geflohen sei und den Russen für die Rettung danke, rettet sich der Moderator auf der Stelle in die Werbepause. Im Kommentar heißt es dazu: Amanda: ‘Ich habe nichts mitbekommen, es wurde nur gebombt und ich muss sie korrigieren: Ich bin vor den Georgiern geflohen nicht umgekehrt, ich möchte mich bei den Russen bedanken, die uns da rausgeholt haben.’ Und sofort: Werbepause.”
And now for something completely different
Jetzt ist Fox-News nicht unbedingt als ausgewogener oder gar liberaler Sender bekannt. Kritiker behaupten sogar, er fische am rechten Rand des politischen Spektrums. Es erscheint daher absolut glaubwürdig, dass Interviewgäste, die nicht der Politik des Senders entsprechen, einfach abgeschaltet werden. Deshalb dürfte es keine Überraschung geben, wenn wir uns die Aufzeichung des Interviews auf YouTube anschauen.
Überraschenderweise geht das Interview nach dem Ausschnitt, den Zapp gezeigt hat, erst noch 90 Sekunden weiter. Der Moderator geht erst nach zwei weiteren Fragen in die Werbepause, als die Tante des Mädchens nicht aufhört, die Kriegsschuld des georgischen Präsidenten immer wieder zu betonen. Aber auch das ist nichts besonders ungewöhnliches, wie Stephen D. Levitt im Freakonomics-Blog der New York Times ausführt. Grob unhöflich vielleicht, aber keine manipulative Kürzung wie im Zapp-Beitrag. Dafür fällt die Ähnlichkeit zu einem anderen Video auf, auf das Levitt hinweist.
Propaganda at its Best
Hier sehen wir die Szene im russischen Fernsehen. Der Übersetzer, der den Moderator von Fox spricht, versucht, die Ausführungen der Tante mit unflätigen Geräuschen zu übertönen. Ich weiß nicht, ob die Zapp-Redaktion dieses Video kannte (Levitts Beitrag erschien zwei Tage vor der Zapp-Sendung), aber die Ähnlichkeit in der Art der Verzerrung ist verblüffend, der Tenor der selbe: Die amerikanischen Medien (ob Fox hier repräsentativ ist, ist egal) manipulieren die Wahrheit zugunsten Georgiens. Das heißt bei Levitt “Old-Style Russian Propaganda”.
Das ist dann aber ein ganz anderes Kaliber als die Aufregung um das angeblich zensierte Putin-Interview in der ARD – denn natürlich wird ein 28minütiges Interview nicht ungekürzt gesendet. Hier kann man höchstens darüber streiten, ob die ausgewählten Stellen der Sache am besten dienten. Und es ist auch etwas anderes als Wolfgang Röhls Beschwerden bei der Achse des Guten, Zapp sei bei der ARD zu zurückhaltend, hacke bei der BILD aber kleinlich auf Nichtigkeiten herum. Hier geht es darum, dass ein Videobeleg massiv sinnentstellend gekürzt wurde, um die Argumentation des Beitrags zu stützen. Das ist klare Manipulation, und damit ist Zapp im Glashaus gelandet.
Und zum Schluß…
Der Zapp-Beitrag endet mit dem Bild einer leeren Straße und dem Kommentar, hier sei zu sehen dass der russische Abzug nicht stattfindet. Ein sehr eindrucksvolles Bild, wenn man dem Magazin vertraut. Doch nach dem, was ich an dem Fox-Interview gesehen habe bleibt ein flaues gefühl in der Magengegend. Ich werde mir demnächst mal ein paar Straßen im Westerwald zum Vergleich anschauen müssen.




