«

»

Sep 12

Judith Zander – Dinge, die wir heute sagten

Gleich vorneweg – eine Rezension sollte man eigentlich nur schreiben, wenn man ein Buch ganz gelesen hat. Also sollte ich eigentlich die Klappe halten und stillschweigend zum nächsten Buch greifen. Da ich bei Judith Zanders Debüt Dinge die wir heute sagten jedoch nach weniger als 30 Seiten kapituliert habe, habe ich das Bedürfnis über den Grund zu reflektieren – quasi als Chronik einer gescheiterten Freundschaft.

Dabei wollte ich das Buch mögen. Eine junge Autorin, ein wenig jünger als ich. Ausgezeichnet mit dem 3Sat-Preis in Klagenfurt, für den Deutschen Buchpreis nominiert – das ist eigentlich die Art von Buch, die mich interessiert, dem ich allen Erfolg wünsche - so wie zum Beispiel Alina Bronsky mit ihrem Debüt Scherbenpark. Also griff ich es mir, kaum dass die Shortlist veröffentlicht war, begann zu lesen…

… und startete mit einem dicken Fragezeichen auf der Stirn. Was wollte mir eine Autorin aus meiner Generation mit einem Beatles Zitat zu Beginn sagen? Was bedeuten Lennon & McCartney für eine knapp 30jährige Autorin? Bezieht es sich auf die Figuren, ist es ihr Horizont? Oder hält sie es für einen gelungenen Kommentar aus dem Off? Und warum muss es so eine komische deutsche Übersetzung sein?

Die nächsten Seiten – innerer Monolog von wechselnden Figuren, anscheinend ist die Oma gestorben. Oder war es die Tante? Irgendwo in einem norddeutschen Dorf, Bresekow, klingt nach Vorpommern. Platt sorgt für Lokalkolorit, aber ich werde immer genervter – wo soll mich die Geschichte hinführen, wer ist eigentlich wer, wer redet gerade? Auf Seite 26 wieder John & Paul, der Anfang von With a little help from my friends – ich kapituliere!

Dabei liegt es wirklich nicht daran, dass Judith Zander nicht schreiben kann. Das dörfliche kommt gut rüber, die Figuren unterscheiden sich in ihrem Gedankenfluss, hin und wieder stoße ich auf Formulierungen, die mir Hochachtung abnötigen. Ja, ich verstehe, was die Buchpreis-Jury mit welthaltig meint. Und trotzdem – die Lektüre ist anstrengend, ich komme in keinen Fluss – nein, dieses Buch und ich, wir werden keine Freunde mehr. Mir erscheint das alles zu verkopft, zu intellektualisiert, zu geplant. Ich kann die Komposition loben, aber mein Herz spricht sie einfach nicht an.

Frustriert gestehe ich mir mein Scheitern ein und greife prompt zum nächsten Buch. Andernorts von Doron Rabinovici, ein weiterer nominierter für den Deutschen Buchpreis. Vielleicht wird beim nächsten Buch ja alles anders – und tatsächlich habe ich jetzt, einen Tag später, bereits die Hälfte verschlungen. Mehr zu diesem Leseerlebnis sicherlich in den nächsten Tagen.

Bookmark/FavoritesEmailShare

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Sie können diese HTML-Tags verwenden: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>