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Dez 12

Zertifikatehandel und Profit – ein Nachtrag

Nachdem ich gestern nicht mehr dazu gekommen bin, hier ein noch ein Hinweis auf den Aufmacher der Financial Times Deutschland von gestern zum Thema Emissionszertifikate. Offensichtlich ist es beim grenzübergreifenden Handel mit den Zertifikaten in der EU zu zahlreichen Fällen der Hinterziehung der Mehrwertsteuer gekommen, insgesamt in einem Umfang von über 5 Milliarden Euro. Da wir gelernt haben, dass es sich potentiell um einen 2-Billionen-Dollar-Markt handelt, scheinen die Bemühungen der Investmentbanken, daraus profitable Derivate zu entwickeln, vor allem wie Versuche der Legalisierung.

Je mehr ich dazu lese, desto größer werden meine Zweifel an marktgesteuerten Mechanismen in den Klimapolitik und meine Zuneigung zur guten alten Ordnungspolitik. Aber ob wir mit Norbert Röttgen, der jetzt die Solarförderung verringern will, und Rainer Brüderle die richtigen Minister haben, um den sich entwickelnden Markt intelligent und wirksam zu regulieren? Beide tendieren wahrscheinlich eher dazu, die entstehenden Gewinne als uneingeschränkt positiv zu bewerten. Warum sollten sie auch verstehen, was sie politisch verantworten.

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2 Kommentare

  1. Hauke Laging

    Die Solarförderung ist ja nun objektiv Geldverbrennung. Überall ist Geld (ökologisch) besser angelegt als dort. Ih habe neulich gelesen, dass Deutschland dafür bisher 53 Milliarden Euro ausgegeben habe und diese Wahnsinnssumme den Klimawandel bis zum Jahr 2100 um eine Stunde verzögern soll. Wenn man dann noch mitbekommt, dass die Subventionshöhe von der Größe und Art der Anlagen abhängt, dass also nicht nur eine ineffiziente Technologie, sondern auch noch deren ineffizienter Einsatz gefördert wird, dann platzt einem echt der Kopf. Das ist eine reine Wohlfühlaktion ohne Sinn und Verstand. Wir finanzieren die chinesische Solarindustrie und einige in alle Ewigkeit vom staatsgeld abhängige in Deutschland. Ich habe gerade gelesen, dass wir jeden Arbeitsplatz bei den Herstellern von Technik für regenerative Energie derzeit mit 165.000 EUR im Jahr subventionieren. Da kann sich ja der Kohlebergbau mehrfach drin verstecken…

  2. Joerg

    Lieber Hauke,

    auch wenn sicherlich nicht alle Fördermechnanismen effizient sind, halte ich den Umstieg auf erneuerbare Energien und darunter auch die Solarenergie mittelfristig für unabdingbar. Bei der derzeitigen Geschwindigkeit der technischen Entwicklung ist damit zu rechnen, dass Solarenergie in einigen Jahren wettbewerbsfähig sein wird, vor allem, wenn die indirekten Kosten durch CO2-Ausstoß, Endlagerung oder GAU-Gefahr auf Kohle- und Atomenergie umgelegt werden. Dadurch, dass diese bisher nicht in die Kalkulation einfließen, weil die Allgemeinheit dafür aufkommt, können Strompreise überhaupt erst künstlich auf 5 Cent /kWh gesenkt werden – über die Kosten dieser Subventionierung redet momentan seltsamerweise kaum jemand.
    Ich habe ja nie behauptet, dass die gegenwärtige Form der Subventionierung das Gelbe vom Ei wäre, da ist sicherlich noch viel zu tun. Z.B. sehe ich keinen Grund, verschiedene Formen erneuerbarer Energien unterschiedlich zu behandeln. Aber wir sollten uns nicht von irgendwelchen Berechnungen, dass in 10 Jahren 53 Milliarden Euro von den Verbrauchern an die an die Betreiber von Solaranlagen fließen, kirre machen lassen. Die Atom- und Kohle-Lobby fürchtet v.a. um ihre Pfründe – RWE macht dieses Jahr über 4 Mrd. € Gewinn.

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