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Dez 10

Was hat der Klimawandel mit der Finanzkrise zu tun?

Erinnert sich noch jemand an den Namen Blythe Masters? Auf dem Höhepunkt der Finanzkrise erlangte die Bankerin, die im Vorstand von JP Morgan Chase sitzt und bei der Investment-Tochter JP Morgan den Bereich Global Commodities leitet, Berühmtheit als die Erfinderin des strukturierten Finanzprodukts “Credit Default Swap” (CDS). Diese Derivate ermöglichen es, kurz gesagt, Kreditrisiken zu handeln und damit zu Aktiva in der Bilanz der Banken zu machen. Dadurch, dass auch Credit Default Swaps auf Credit Default Swaps möglich wurden, wurde das tatsächliche Risiko immer weniger sichtbar – ein Effekt, der als mitverantwortlich dafür gilt, dass die Krise am US Immobilienmarkt zum Zusammenbruch von Lehmann Brothers und zur globalen Finanzkrise führen konnte. Wenn CDS’ wirklich soetwas wie “finanzielle Massenvernichtungswaffen” (Warren Buffett) sind, ist Masters wohl so etwas wie der Edward Teller der Finanzbranche.

Jetzt ist Masters bei JP Morgan unter anderem dafür zuständig, Profit aus den Anstrengungen zur Begrenzung des Klimawandels zu ziehen.

Fefe hat heute auf einen Bericht von Bloomberg hingewiesen, nach dem die Finanzbranche schon in den Startlöchern steht, um frei handelbare Derivate für Emmisionsrechte zu entwickeln:

The banks are preparing to do with carbon what they’ve done before: design and market derivatives contracts that will help client companies hedge their price risk over the long term. They’re also ready to sell carbon-related financial products to outside investors.

Masters says banks must be allowed to lead the way if a mandatory carbon-trading system is going to help save the planet at the lowest possible cost. And derivatives related to carbon must be part of the mix, she says. Derivatives are securities whose value is derived from the value of an underlying commodity — in this case, CO2 and other greenhouse gases.

Der nächsten Spekulationsblase ist also Tür und Tor geöffnet und der Emmissionshandel an sich, der als angeblich intelligentes, marktförmiges Instrument helfen sollte, die Klimarettung möglichst effizient zu gestalten, könnte sich als Achillesverse der Klimapolitik erweisen. Eine schöne Zusammenfassung findet sich im Washington’s Blog (auch via Fefe). Hoffen wir also, dass statt den Skeptikern Paul Krugman Recht hat.

Wenn Masters und ihre Kollegen allerdings genauso effizient sind, Risiken auf dem Papier in Guthaben umzuwandeln, wie sie es bei den CDS  waren, dürfen wir in zehn Jahren mit negativen Emmissionszahlen auf dem Papier rechnen, ohne dass auch nur ein CO2-Partikel weniger in die Atmosphäre geschleudert wird.


Ergänzung 10:10 Uhr: Ich habe gerade gesehen, dass gestern bei Carta auch ein Beitrag von Steffen Heidenreich zu dem Thema erschienen ist – Dank an @csommer!

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1 Kommentar

1 Ping

  1. Sina W.

    Also alles hängt miteinander zusammen?!

  1. Was wir wollen… » Blog Archive » Zertifikatehandel und Profit – ein Nachtrag - Politik, Popkultur und Gesellschaft von Jörg Hopfgarten

    [...] wir gelernt haben, dass es sich potentiell um einen 2-Billionen-Dollar-Markt handelt, scheinen die Bemühungen der Investmentbanken, daraus profitable Derivate zu entwickeln, vor allem wie Versuche der [...]

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